Oldenburg ehrt Peter und John Hyams mit der diesjährigen Retrospektive

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Mit dem Vater-Sohn-Gespann ehrt das Filmfest erstmals zwei Filmemacher gemeinsam mit einer Retrospektive. Einflüsse ihrer Herkunft aus den bildenden Künsten, die Ausprägung einer Auteur-Idee inmitten der Studiomaschinerie Hollywoods und die Liebe zu humanistischen Details in scheinbar oberflächlichen Genres, verbinden das Werk beider.

»John Hyams is a really talented guy.« - Peter Hyams

 

Dieses ebenso gradlinige, wie vielsagende Zitat von Peter Hyams über seinen Sohn John erzählt mehr über die Haltung beider zu ihrer Arbeit wie auch zum Filmbusiness im Allgemeinen, als man ob seiner knappen Botschaft vermuten mag. 

 

Ihre individuell einzigartigen Visionen, ihre Kunstfertigkeit und wahre Ehrfurcht vor dem Kino fließt mit Liebe in jeden ihrer Filme ein, die sie als Regisseure umgesetzt haben und daneben oftmals mehrere Rollen, etwa als Autor, Kameramann oder Cutter innehatten. Im Off sind sie Vater und Sohn.
Auf der Leinwand unterstreicht ihre seltene Zusammenarbeit, etwa in Johns »Universal Soldier: Regeneration« (Kamera Peter Hyams) oder in Peters »Enemies Closer« (Schnitt John Hyams), den unschätzbaren Kern von Respekt und Integrität, der für den Prozess des Filmemachens so wesentlich ist. 

 

Weder Vater noch Sohn kamen direkt zum Film. So hat Peter Hyams Musik und Kunst studiert, stand als Jazzmusiker auf der Bühne des Newport Jazzfestivals, seine Gemälde schafften es bis ins Whitney Museum of American Art. Zum Fernsehen kam er als Nachrichtensprecher bei CBS, wo er begann Dokumentationen zu drehen. John studierte wie sein Vater an der Syracuse University School of Visual and Performing Arts und machte sich als Maler und Bildhauer einen Namen.

 

Peter Hyams erster Spielfilm war der 1974 entstandene »Busting« mit Elliott Gould und Robert Blake. Sein großer Durchbruch als einer der Top-Regisseure Hollywoods gelang ihm mit dem Science-Fiction Klassiker »Capricorn One«, der die Geschichte einer vorgetäuschten Marslandung erzählt. 

 

In den 80er und 90er Jahren hat Hyams dann wohl als einziger Regisseur Hollywoods einige der großen Studioerfolge der Zeit umgesetzt, zu denen er auch die Drehbücher beisteuerte und die visuelle Gestaltung als Kameramann verantwortete. Die High Noon Variation »Outland« mit Sean Connery als allein gelassener Cop ist ein Meilenstein des Sci-Fi Genres der 80er Jahre, »Running Scared« hat das Buddy-Cop Genre neu belebt und die Karrieren von Billy Cristal und Gregory Hines rasant beschleunigt. »Narrow Margin« ist eine große Reminiszenz an die unausweichliche Vorwärtsbewegung des Film Noirs, in dem Gene Hackman in einem Zug um sein Überleben und das einer zu schützenden Zeugin kämpfen muss.
 Hyams Mut, sich mit Arthur C. Clarke, Stanley Kubrick und einer Fortsetzung von »2001: A Space Odyssee« auseinander zu setzen, brachte ihm mit »2010: The Year We Make Contact« einen Publikums- und Kritikererfolg ein, indem er zu Beginn des Projektes klar machte, sich nicht an Kubrick messen zu lassen. 

 

Diese Haltung prägt auch das Werk seines Sohnes John Hyams. Seine Faszination am Kino der Kinetik, die schon bei seiner Dokumentation über den charismatischen MMA-Kämpfer Mark Kerr, »The Smashing Machine« aus dem Jahr 2002, seine Ausprägung fand, steht immer im Geiste einer Reflektion über die Auswirkungen von Gewalt, die er in seinen Filmen nie ausblendet. 2009 gelang John Hyams mit der beseelten Wiederbelebung des Universal Soldier-Franchise der große Durchbruch. Bei »Universal Soldier: Regeneration« zeichnete sein Vater Peter als Kameramann verantwortlich. Mit dessen Gespür für Raum und Bewegung und Johns effizienter Regie ist ein absoluter Überraschungserfolg entstanden.
Spätestens seit dem 2012 entstandenen »Universal Soldier: Day of Reckoning« wird John Hyams als einer der aufregendsten Vertreter des neuen Actionkinos Hollywoods gefeiert. Der Film erhielt Lobeshymnen in der New York Times, die Village Voice nahm ihn in die Liste der besten Filme des Jahres auf. Eine Tür zum Autorenkino wurde aufgestoßen, die das kinetische Kino mit poetischen Elementen verbindet. 

Mit seinen nächsten Filmen hat sich John Hyams zu einem versierten Filmemacher entwickelt, der mit der charmanten Baseball-Komödie »All Square« (2018) sein Gespür für perfektes Timing bewies, oder mit dem atemlosen Thriller »Alone« (2020) den Vorwärtsdrang des Genres maximal fokussiert. 

 

Sein selten gesehener Debütfilm »One Dog Day« wird in Oldenburg ebenso gezeigt werden, wie sein neuester Film »Sick«, der in Oldenburg Europapremiere feiern wird.

 

John Hyams wird vom 14. bis zum 18. September zu Gast beim Internationalen Filmfest Oldenburg sein. 

 

Als besonderes Highlight wird Peter Hyams im Rahmen eines großen virtuellen Live-Gesprächs mit Peter und John Hyams nach Oldenburg zugeschaltet. Das Gespräch wird ohne Paywall allen Interessierten zugänglich gemacht werden.

 

  

 

Im Rahmen der Retrospektive werden in Oldenburg gezeigt:

 

»Capricorn One / Unternehmen Capricorn« (USA 1978, Regie Peter Hyams)

»Outland« (USA 1981, Regie Peter Hyams)

»Narrow Margin« (USA 1990, Regie Peter Hyams)

 

»One Dog Day« (USA 1997, Regie John Hyams)

»The Smashing Machine« (USA 2002, Regie John Hyams)

»Universal Soldier: Regeneration« (USA 2009, Regie John Hyams)

»Universal Soldier: Day of Reckoning« (USA 2012, Regie John Hyams)

»Alone« (USA 2020, Regie John Hyams)

»Sick« (USA 2022, Regie John Hyams)

 

Material zu den genannten Filmen finden Sie auf unsere Website unter https://filmfest-oldenburg.de/de/presse/pressematerial-filme/

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