PR03 2026
Oldenburg ehrt Neil LaBute mit einer Retrospektive
Oldenburg ehrt Neil LaBute mit einer Retrospektive
Das Filmfest Oldenburg widmet dem amerikanischen Regisseur und Dramatiker eine Retrospektive und feiert mit ihm die Weltpremiere seines neuesten Films »Murderous«.
Neil LaBute glaubt nicht an Unschuld. In seinen Filmen und Theaterstücken gibt es keine Bemerkung im Small Talk, die nicht auch eine Waffe sein könnte. Seit seinem Debüt »In the Company of Men« (1997) erforscht er, wie sich Grausamkeit in Büros, Ehen und Freundeskreisen einnistet, meist beiläufig, oft im Ton des ganz normalen Gesprächs. Kaum ein anderer amerikanischer Filmemacher hat der Höflichkeit so konsequent misstraut. Neil LaBute wurde 1963 in Detroit geboren und wuchs im beschaulichen Spokane, Washington, auf. Er studierte Film- und Theaterwissenschaft an der Brigham Young University in Provo/Utah, wo er den Schauspieler Aaron Eckhart kennenlernte, der später zu seinem wichtigsten Darsteller werden sollte. Schon an der konservativen Universität eckte LaBute mit seinen Stücken an, mehrere frühe Inszenierungen wurden nach der Premiere abgesetzt, während ihn die Theaterfakultät zugleich als eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente auszeichnete. Es folgten Studienstationen an der University of Kansas, ein Master in dramatischem Schreiben an der New York University und ein Stipendium am Londoner Royal Court Theatre. LaBute kam vom Theater zum Kino, und diese Herkunft ist seinem Werk bis heute eingeschrieben: karge Räume, präzise Dialoge, Figuren, die sich selbst beim Lügen zusehen. Nach dem Sundance-Erfolg von »In the Company of Men« folgten »Your Friends & Neighbors« (1998), ein Sittenbild urbaner Beziehungen, und mit »Nurse Betty« (2000), ausgezeichnet mit dem Drehbuchpreis von Cannes, ein überraschender Ausflug ins Genrekino, der zeigte, dass LaButes Blick auf menschliche Schwäche auch im Mainstream trägt. 2013 kehrte er mit »Some Velvet Morning« zur reinen Form des Zweipersonenstücks zurück, Kurzfilme wie »Black Chicks« und »10 K« (beide 2017) übertrugen dieselbe Ökonomie ins knappe Format. Mit »House of Darkness« (2022) fand er zuletzt im Horrorfilm ein neues Gewand für ein altes Thema: was Menschen einander an einem einzigen Abend antun können. Neil LaBute wird während des Festivals vom 16. bis zum 20. September 2026 in Oldenburg zu Gast sein. Im Rahmen des Festivals feiert sein neuester Film »Murderous« seine Weltpremiere, neben Neil LaBute wird auch die Hauptdarstellerin Gia Crovatin zu Gast in Oldenburg sein.
Im Rahmen der Retrospektive werden in Oldenburg die folgenden Filme zu sehen sein:
»In the Company of Men« (USA 1997) »Your Friends & Neighbors« (USA 1998)
»Nurse Betty« (USA 2000)
»Some Velvet Morning« (USA 2013)
»House of Darkness« (USA 2022)
Sowie die Weltpremiere von »Murderous« (USA 2026)