Die Preisträger des Internationalen Filmfest Oldenburg 2026
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Heute Abend wurden vor dem offiziellen Abschlussfilm „Northbound“ von William Scoular bei der Preisverleihung im Oldenburgischen Staatstheater die Wettbewerbsgewinner vorgestellt. „Variations on Violence“ von Zachary Nichols gewann den German Independence Award für den besten Film, mit dem Spirit of Cinema Award wurde „Foreign Tongue“ von Boris Mojsovski gewürdigt, „The Joyless Economy“ von Marjorie Conrad gewann den Audacity Award. „Big Daddy’s Flowers“ von Matthew Osubor wurde mit dem Hans Ohlms Preis für den besten Debütfilm ausgezeichnet. „White Whiter Whitest Black” von Michele Leonardi gewann den German Independence Award für den besten Kurzfilmes. Zudem wurden Frank Mosley für „Jackrabbit“ und Gia Crovatin für „Murderous“ mit dem Seymour Cassel Award für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen geehrt.
„Variations on Violence“ von Zachary Nichols Der Filmemacher hat dafür eine Form gefunden. Bilder aus der Ferne, Daten und Informationen einer Maschine, die wir nicht mehr aus dem Kopf bekommen können, kunstvoll wie Skulpturen gestaltet, und dahinter ein Regisseur, der weiß: Nicht die Maschine ist das Thema, sondern der Mensch am Steuerpult. Ein Hauch von Tarkowski in der Montage und ein Hauch von Lynch. Die Filmmusik ist schonungslos, Gewalt und Dunkelheit wie von einem klassischen Musiker dargeboten. Ein amerikanischer Film von großer Ambition und unvergesslichen Darbietungen. Eine Geschichte über amerikanische Identität und den beängstigenden Zustand der Welt, über einen Mann, der verschlungen wird, und seine Schwester, die dafür bezahlt. Spirituell auf eine Weise, wie es nur das Kino vermag, und kathartisch schön. Seymour Cassel Award – Bester Darsteller Frank Mosley für „Jackrabbit“ German Independence Award – Spirit of Cinema Der Spirit of Cinema Award wurde durch das Publikum des Filmfest Oldenburg gewählt. German Independence Award – Originality, Daring, and Audacity „The Joyless Economy“ von Marjorie Conrad Begründung der Jury: Der Audacity Award wurde ins Leben gerufen, um Originalität und Wagemut zu feiern. Dieser Film sprengt durch seine Form Grenzen. Er ist zugleich formal und einfallsreich, ein Quasi-Dokumentarfilm mit unheimlich intimen Bildern und einem Archivmaterial, das an Kraft gewinnt – gleichermaßen hypnotisch wie schonungslos ehrlich, ethisch komplex und doch auf lohnende Weise menschlich. Hier handelt es sich um eine Filmemacherin, die eine völlig neue Sprache für ihre Erforschung menschlicher Komplexität und marginaler Psychen schafft, die der Seele Anderer Gültigkeit verleiht, als spiegelte diese ihre eigene wider. Sie zeigt eindringlich wie das Kino Menschen tiefgreifend verwandeln kann. Die Darstellerpreise sowie der Audacity und Bester Film Award wurden von der Advisory Board Jury bestehend aus RP Kahl, Deborah Kara Unger und Douglas Buck vergeben. Hans Ohlms Award- Bester Erstlingsfilm „Big Daddy’s Flowers“ von Matthew Osubor Begründung der Jury: Einschränkungen fordern Einfallsreichtum. Ein Filmemacher, der ohne Budget einen Film gedreht und sich auf die Suche nach etwas weit Größerem begeben hat. Die Unbesonnenheit und Ungezwungenheit sind nicht das, was den Film getragen hat – sie sind das, was ihn zu etwas Besonderem gemacht haben. Der spielerische Geist bewahrt ihn vor der Schwere und Ernsthaftigkeit, in der sich zu viele Filme verlieren. Er ist auf die Art komisch, wie Filme in den 90er Jahren komisch waren – zynisch, bissig und ohne den Anspruch, sich anzupassen –, genau die Art von Film, die zum Kultklassiker wird. Zu Recht unkorrekt in seiner Untergrabung rassistischer Stereotypen. Wo ein anderer Film darum bäte, ernst genommen zu werden, nimmt sich dieser, was er braucht. Er nutzt das Lachen, um das auszudrücken, was Ernsthaftigkeit nicht vermag – eine wilde Fahrt, die sich als Komödie mit nuanciertem gesellschaftlichem Kommentar entpuppt. Frisch, mutig, furchtlos, komödiantisch. Ein Debütfilm, der nichts zu verteidigen hat – der ganze Geist des amerikanischen Independent-Kinos und des Ethos dieses Festivals. German Independence Award – Bester Kurzfilm „White Whiter Whitest Black” von Michele Leonardi Begründung der Jury: Nichts in diesem Film ist aufdringlich, und alles trifft genau ins Schwarze. In nur fünfzehn Minuten hat dieser Regisseur bereits etwas geschaffen, von dem man weiß, dass es ganz und gar sein eigenes ist, und sie vertraut dem Publikum genug, um es nicht erklären zu müssen. Es ist ein Film über Unschuld, der dabei niemals explizit wird. Er vermittelt die älteste Sehnsucht, die es gibt – die Sehnsucht danach, von Schuld befreit zu sein –, und er greift ohne zu zögern ein Thema auf, das die meisten Menschen als Problem bezeichnen würden. Er ordnet die Leidenschaften, die jeder schon einmal empfunden hat, und nutzt sie, um die Vorstellung von Sünde zu entkräften. Der Verrat, auf den der Film schließlich hinausläuft, ist moralisch kaum vorstellbar, und doch demontiert der Film ihn mit Anmut und Einfachheit. Das sollte eigentlich nicht möglich sein. Offensichtlich ist es das doch. Höhepunkte des Festivals Die diesjährige Retrospektive war dem amerikanischen Regisseur und Dramatiker Neil LaBute gewidmet, dessen neuster Film „Murderous“ seine Weltpremiere am Freitag im Globe Oldenburg feierte. Neben Neil LaBute war auch die Hauptdarstellerin Gia Crovatin zu Gast in Oldenburg. Zudem wurden von Neil LaBute die Filme “In the Company of Men” (1997), “Your Friends & Neighbors” (USA), “Nurse Betty” (2000), “Some Velvet Morning” (2013) und “House of Darkness” (2022) gezeigt. Mit einem Tribute wurde die Stuntfrau Zoe Bell geehrt. Über drei Jahrzehnte hinweg verwandelte sie die Tätigkeit des Stuntdoubles in eine eigenständige künstlerische Leistung und wurde selbst zum Star. Im Rahmen des Tributes wurden ihre Filme „Double Dare“ (2004), „Death Proof“ (2007), „Angel of Death“ (2009) und „Once Upon a Time In...Hollywood” (2019) präsentiert. Das Festival in Zahlen Die Zuschauerzahlen bleibt in den Festivalkinos und im Oldenburgischen Staatstheater wie im letzten Jahr bei konstanten 13.000 Besucher. Ein erneuter Beweis dafür, dass das Publikum sich nach authentischer Kultur und originellen Filmen jenseits des Mainstreams sehnt und dass das Festival den leicht zugänglichen Streaming-Diensten standhalten kann. |