Als mit »Dr. No« Ian Flemings archetypischer britischer Superspion James Bond aus dem Roman auf die Leinwand gehievt wurde, spielten einige Faktoren dem größten Franchise der Kinogeschichte in die Karten. Die Kubakrise befeuerte die amerikanische Paranoia von der Bedrohung des eigenen Festlandes. Während Bond auf einer Karibikinsel einem wahnsinnigen Chinesen das Handwerk legen musste, brodelte es in der Realität nur ein paar Seemeilen weiter so sehr, dass die Sehnsucht nach einem smarten und ultraharten Vertreter der gerechten Sache auf fruchtbaren Boden fiel. Auch wenn sich der Oberschurke Dr. No ausdrücklich vom Osten distanzierte, die visionäre, aber damals noch unverschämte Behauptung, dass beide Seiten des Eisernen Vorhangs gleich dumm sind, war ein Affront, der dem Publikum ebenso wie Bond nicht ungestraft ins Gesicht geschleudert werden durfte. Und dann stieg Ursula Andress als Perlentaucherin Honey Rider wie Aphrodite aus den Fluten, der Rest ist Geschichte.

 

Mi., 29.08. - 21:00 Uhr

Kulturlounge Seelig in den Schlosshöfen | Eintritt frei

 

Terence Young

Nachdem er die ersten drei Bond Filme inszenieren durfte, konnte er sich nie von diesem Erfolg erholen. Sein Ruf als Meister des Weltherrschaftskinos allerdings drang bis Libyen vor und brachte ihm den Auftrag, die Dokumentation »The Long Days« über und für Muammar Gaddafi zu inszenieren. Die Welt eroberte er damit nicht, außerhalb Libyens war dieses Werk nie zu sehen.