Querelle

GER / FRA 1982
Regisseur : Rainer Werner Fassbinder
Darsteller : Burkhard Driest, Brad Davis, Franco Nero, Jeannie Moreau, Laurent Malet

104 Min. | EF | Englische Fassung

Tribute

In melodramatische Seifenoper-Bilder verpackt Fassbinder seinen letzten und zutiefst umstrittenen Film »Querelle«. Der gleichnamige Matrose legt mit seiner Mannschaft vor orangepinker Kulisse an, im Hintergrund thront das Hafenbordell »Feria«. Dort, zwischen skurrilen Figuren in grellen Kostümen, macht Querelle seine ersten Erfahrungen mit Homosexualität. Fassbinders revolutionärer Kultfilm kreist um Sex, Gewalt und männliches Verlangen. Dabei schafft er es, Gegensätze zusammenfließen zu lassen: Schönheit, Genuss und Lust ist hier nicht zu unterscheiden von Gewalt, Betrug und Rivalität. So wird in »Querelle« die Schlägerei zum Liebestanz und Entgleisung zu Befreiung. Burkhard Driest bewies Mut und schlüpfte in eine, für ihn eher untypische Rolle. Anpassungsfähig verkörpert er Mario, einen markanten Polizisten und Liebhaber von Querelle. Das Drehbuch, basierend auf Jean Genet‘s gleichnamigen Roman, hat er auch geschrieben. Fassbinder war damit nicht zufrieden, wollte lieber seine eigenen Akzente setzen. Bescheidene Milieudichtung trifft auf träumerische Selbstinszinierung. Entstanden ist ein Film, der Queer Cinema bis in die tiefste Faser lebt und mit seinen skurrilen, überdramatisierten Bildern zeitweilig zwischen »Rocky Horror Picture Show« und italienischer Oper schwankt. Ein zeitloses wie universelles Werk über Macht, Liebe und sexuelle Befreiung.