Liebe Filmfreunde,

wie immer, bevor wir im September das junge, wilde Kino in Oldenburg feiern, strecken wir unsere staubigen Fühler aus, um das Rätsel zur Rettung der Welt zu lösen. Während sich anderswo auf der Welt alle einig sind und nur noch ein paar versprengte Soziologen sich darüber sorgen, dass das gute alte Argument auf dem hohen Altar der Harmonie geopfert wird, müssen wir in Oldenburg auf die Barrikaden gehen. Wo sonst sollte der wütende Impuls zur Rettung des Individuums herkommen, wenn nicht aus der Stadt, die niemals schläft, dem Big Apple Niedersachsens.

Der gebeugte Oldenburger weiß, Haltung annehmen ist eine stets neu mit Hilfe der Klugheit zu koordinierende Positionierung in jenem bewegten Möglichkeitsraum des Ethos, der durch die Anwesenheit anderer auf gelegentlich unangenehme Weise manipuliert und sabotiert wird. Oder, in den Worten des Philosophen Richard Rorty:

»Individuen ohne politische Gemeinschaften sind Idioten; politische Gemeinschaften ohne echte Individuen sind Alpträume.«

Sollen wir uns also milde lächelnd in den Alptraum fallen lassen oder unsere Existenz als Idioten feiern? Oder gibt es gar noch Hoffnung auf das balancierte Miteinander? Vielleicht auf Oldenburgs schönster Terrasse und in Oldenburgs kuscheligstem Kino?

Also los, Oldenburg! Auf ins Seelig und ins cine k, wenn wir ein Loblied auf den Unterschied singen und mit Terence Hill und Al Pacino zwei der ganz großen Leinwandfiguren feiern, die sich ihre eigene Welt konstruieren, weil es ja sonst keiner tut. Zwei Figuren, die sich ganz im Sinne von Aristoteles in den Dienst einer besseren politischen Gemeinschaft stellen, indem sie sich als Individuum den Diskurs des Andersseins erlauben. Wenn wir dabei ein wenig Pippi Langstrumpf in uns entdecken, dann kann die Welt vielleicht noch zu retten sein!