Das Internationale Filmfest Oldenburg ehrt Burkhard Driest mit einem Tribute

Das Filmfest Oldenburg ehrt Burkhard Driest als Autor, Filmemacher und Schauspieler und freut sich auf einen Ausnahmekünstler, dessen Gesamtwerk aus filmreifen Wendungen besteht

Burkhard Driest ist Lebenskünstler: »Man könnte einerseits das Recht studieren und die Gesetze lernen und zugleich nachts in einem Doppelleben die andere Seite kennenlernen. Man müsste sich nicht beschränken auf das Dasein eines trockenen Rechtsgelehrten.« Im Mai 1965 hatte er im Alter von 26 Jahren eine Sparkasse bei Hannover bewaffnet überfallen – drei Wochen vor seinem münd-lichen Staatsexamen.

Das Thema Gewalt begleitet den 1939 in Stettin geborenen Driest seit seiner Kindheit ebenso wie die künstlerische Auseinandersetzung hiermit. Nach der Scheidung der Eltern und im Konflikt mit den Institutionen bildeten Malerei, Jazz-Musik und Boxsport einen Ausgleich für den jungen Mann, der nach Schulwechseln und einem Aufenthalt in einer Jugenderziehungsanstalt dem Vater zuliebe Jura studierte. Im Gegenzug bekam er hierfür ein Atelier. Die politischen Studentenbewegungen der 60er-Jahre lockten Driest ein Semester später nach Berlin, wo sich sein Interesse an politischer und öffentlicher Performance ausprägte.

 

Die Verfilmung seines Romans »Die Verrohung des Franz Blum« (1974) durch Reinhard Hauff mar-kierte den Beginn seiner Karriere als Autor und Darsteller. Driest verarbeitete eigene Erfahrungen seiner Zeit im Zuchthaus, lieferte das Drehbuch und spielte neben Jürgen Prochnow eine Hauptrol-le. Es folgten weitere Romane, Drehbücher und auch Theaterarbeiten unter anderem bei Zadek, wo er den Kowalski in »Endstation Sehnsucht« spielte. Den roten Faden in den Werken, Drehbüchern, Fernseh- und Kinofilmen Driests bildet das Leben im Konflikt mit der Norm und dem Gesetz – oft-mals bestehen Bezüge zu seiner eigenen Biografie.

Er arbeitete mit Regisseuren wie Werner Herzog (»Stroszek«) und Sam Peckinpah (»Cross of Iron«). Mit Reinhard Hauff verbinden ihn vier Projekte, in denen Driest als Autor und Darsteller beteiligt war. Ende der 70er-Jahre lebte Driest in den USA und arbeitete mit dem Autor Lukas Heller (»Whatever happened to Baby Jane«, »Flight of the Phoenix«) zusammen – unter anderem für Stu-dios wie Paramount, Universal und 20th Century Fox. Ihr gemeinsam geschriebenes Projekt »Son of Hitler« (1979) wurde mit Bud Cort und Peter Cushing verfilmt.

Seinem Credo, mehr als eine Rolle zu leben, bleibt Driest stets treu: Schriftsteller, Film- und Büh-nenschauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Maler. Von einem trockenen Rechtsge-lehrten-Dasein kann jedenfalls keine Rede sein, wenn man von dem Mann spricht, der vor laufender Kamera niemand Geringerem als Romy Schneider den Kopf verdreht hat, oder der in einem Kostüm Belmondos aus »Ausser Atem« abgeführt wurde.

 

Legendär ist seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder an dessen letztem Film. Die Drehbuchfassungen, die Driest Fassbinder für »Querelle« anbot, hatte dieser abgelehnt. Während der Endfertigung des von Driest mitentwickelten und koproduzierten Films, in dem er auch neben Jeanne Moreau, Brad Davis und Franco Nero agierte, verstarb Fassbinder 1982 noch vor der Premie-re beim Filmfest Venedig. 1984 folgte Driests Regiedebüt »Annas Mutter«, das auf dem realen Fall der Marianne Bachmeier basierte und in Deutschland größte Aufmerksamkeit erregte.

Der heute 80-jährige Buddhist ist weiterhin künstlerisch tätig, bringt in Öl das auf die Leinwand, was ihn bewegt und bewegte. Bezüge referieren auch in seinen Gemälden auf sein filmisches Schaffen, so etwa in den Zyklen »Romy« oder »Querelle«.

Burkhard Driest wird vom 11. bis zum 15. September in Oldenburg zu Gast sein. Im Rahmen des Tributes werden in Oldenburg »Die Verrohung des Franz Blum«, »Querelle« und »Annas Mutter« zu sehen sein.