A Tribute to Lou Diamond Phillips

Welche Chance hat ein Junge aus einer Kleinstadt, der einfach bei einem landesweiten Casting auftaucht, die Rolle einer Legende zu ergattern und dadurch zu Weltstar zu werden? Lou Diamond Phillips, der selbsterklärte Glücksritter und professionelle Pokerspieler hat sich diese Frage nie gestellt – und seine Karten wie ein Champion ausgespielt. Lou bekam die Rolle und wurde selbst über Nacht zum Star, so wie es Ritchie Valens wurde, den er in Luis Valdez‘ Biopic „La Bamba“ verkörpert. Und wie Richie Valens ist Lou Diamond Phillips zu einer Ikone geworden, dessen ethnische Herkunft gerade heute wieder so viel bedeutet, in einem Amerika, dass sich so schwer tut sich als Melting Pot aller Nationen zu verstehen.

Geboren wurde Lou Diamond Phillips auf den Philippinen, wo sein Vater als Marineoffizier stationiert war. Der war es denn auch, der den Sohn nach dem legendären Weltkriegshelden Leland ‘Lou’ Diamond benannte. Er wuchs in einer texanischen Kleinstadt auf und machte seinen Bachelor in Kunstwissenschaften an der Universität von Texas in Arlington. Er stand am Stage West Theater auf der Bühne und lebte seine ungebändigte Kreativität durch kurze Filme aus, die er schrieb, inszenierte und produzierte. Aber er steckte seine Ziele schon damals höher – und der unglaubliche Erfolg von „La Bamba“ katapultierte ihn aus Texas in ungeahnte Höhen von weltweitem Ruhm.

Bevor „La Bamba“ überhaupt in die Kinos kam, hatte der bislang unbekannte Schauspieler den Film “Stand and Deliver” gedreht, für den er dann 1989 einen Independent Spirit Award und eine Golden Globe Nominierung gewann. Eine weitere ikonische Rolle in „Young Guns“ neben Kiefer Sutherland, Charlie Sheen und Emilio Estevez etablierte ihn als einen Frauenschwarm unter den jungen Hollywood-Schauspielern. 1996 kehrte Phillips, der im Laufe seiner Karriere in mehr als 100 Filmen und Serienepisoden gespielt hat, zu seinen Wurzeln zurück und legte mit der Broadway Produktion „The King and I“ ein Theaterdebüt hin, für das er mit einer Tony-Nominierung, dem Theater World Award und einem Outer Critics Award ausgezeichnet wurde. Im darauffolgenden Jahr erhielt er sowohl den Lone Star und den Blockbuster Award für seine darstellerische Leistung in „Courage Under Fire” mit Denzel Washington.

Seine Ahnen sind Hawaianer, Schotten, Iren, Cherokee-Indianer und Spanier. Gerade diese Vielfältigkeit, hat es ihm ermöglicht, dem Typecasting Hollywoods zu entgehen, dem so viele nicht kaukasisch aussehende Schauspieler ausgesetzt sind. Gleich seine erste große Rolle als Urvater des Chicano Rocks, Richie Valens, in „La Bamba“, untermauert das aufs ironischste: Lous Stammbaum ist voller verschiedener Nationalitäten – ein Latino ist aber nicht dabei.

Aufgrund seiner engen Bindungen zu der indianischen Urbevölkerung wurde er von dem Stamm der Sioux/Lakota adoptiert und „Star Keeper“ getauft, der Hüter der Sterne. Es ist die Seele, die in den Himmel schaut. Auf das Zeitlose und auf zwei Welten: die Vergangenheit und die Gegenwart. Nach seinen Reisen zwischen der Leinwand und der Bühne, war es denn auch nicht überraschend, dass er auch einige Trips ins Fernsehen machte, wo er 2016 eine Emmy Nominierung für “Crossroads of History” erhielt und weiterhin in der vielgepriesenen Netflix Serie “Longmire” spielt.

Sein Vater starb früh, lange bevor Lous Stern aufging und so glänzen würde wie ein Diamant. Und für diesen Hüter der Sterne und Glücksspieler, der immer alles auf eine Karte setzt, ist der Vergleich zu einem Diamanten passend. Schließlich haben Druck und Zeit dazu geführt, dass er nur noch umso spektakulärer glänzt.