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Kürzungspläne stellen erneut den Fortbestand des Filmfest Oldenburg in Frage

15.03.12

Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und SPD im Rat der Stadt Oldenburg drängen für die laufende Ratsperiode durch den Beschluss eines Hauhaltspaketes für das Jahr 2012 das Filmfest wieder an den Rand seiner Existenz. Von den im Verwaltungsentwurf veranschlagten 95.000 Euro Förderung will die rot-grüne Ratsmehrheit gleich 45.000 Euro einsparen. Die Vorsitzende des Finanzausschusses Margrit Conty (SPD) argumentierte vergangene Woche gegenüber der Nordwest Zeitung, dass eine Förderung von 3 Euro pro Besucher ausreichend wäre.

Festivalleiter Torsten Neumann stellt diese Einschätzung als im höchsten Maße fragwürdig dar, denn es ist weithin bekannt, dass Kultur mit einem vielfachen an Fördermitteln „pro Besucher“ bezuschusst wird. Selbst die von der Verwaltung veranschlagte Förderung, auf diese Denkweise umgebrochen, etwa 6 Euro pro Besucher, liegt weit unter allem Vergleichbaren, was für andere Filmfestivals, Theater oder Museen aufgewendet wird. Margrit Contys Aussage enthüllt unter diesem Blickwinkel eine erschreckende Geringschätzigkeit, die sich lediglich wie ein persönliches Desinteresse an regionaler Kultur erschließt. Dem Aufwand-Nutzen-Faktor des Filmfest Oldenburg wird das bei weitem nicht gerecht.

In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit lässt sich jedoch eine Gegenrechnung aufstellen. Das Festival hat im Jahr 2011 einen Betrag von über 220.000 Euro direkt in Oldenburg ausgegeben. Auf die letztjährige Fördersumme umgerechnet, wurden vom Festival für jeden Euro Förderung 3 Euro in die hiesige Wirtschaft reinvestiert. Mit anderen Worten, nicht nur kulturell, auch wirtschaftlich gesehen ist das Filmfest ein Gewinn für die Stadt.

Durch eine derartige Kürzung wird der Fortbestand des Festivals wissentlich aufs Spiel gesetzt, denn die Auswirkungen einer solchen Kürzung hat die Festivalleitung in ausführlichen Gesprächen vor zwei Jahren hinreichend dargestellt und die Weiterarbeit auf dem erreichten Niveau ist nicht zu verantworten. Das vergangene Festival hat aus der Krise 2010 gelernt, neue Wege des Wachstums auch dank erneuter Mittelanhebung gefunden. Eine derartige Mittelkürzung für ein wachsendes Kultur-Unternehmen, das hohe regionale Netzwerkeffekte erzielt, wäre hochgradig kontraproduktiv. Damit käme die Kürzung keiner besseren Verwendung der Steuermittel gleich, sondern einer Verschwendung vorher sinnvoll investierter Mittel und würde einen starken Wohlfahrtsverlust der Stadt Oldenburg und seiner Bürger bedeuten. Eine weitere Festivalausgabe im Jahr 2013 wird es so in Oldenburg nicht geben.

Am 19. März wird der Haushalt in einer Ratssitzung verabschiedet. Somit steht der Kürzungsbeschluss noch unter Vorbehalt.